Interview mit Gigabyte

Interview mit Gigabyte

Fragen und Antworten zum aktuellen und kommenden Produktportfolio

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Auf dem Mainboardmarkt hat sich dieses Jahr einiges getan. Zu Beginn des Jahres sorgt Intel mit dem B2 Bug bei den „Cougar-Point“ Chipsätzen für Aufregung. Im Sommer stellte AMD schließlich die lang erwartete „Llano“-Plattform vor, bei der AMD erstmals eine leistungsstarke Grafikeinheit mit einer CPU auf einem Chip untergebracht hat. Vor kurzem folgte schließlich die lang erwartet Vorstellung der AMD Bulldozer-CPUs, die bei vielen Nutzer aber eher zu einer herben Enttäuschung führten.  Zur Abrundung des „Mainboard-Jahres“ 2011 plant Intel in kürze noch eine neue Highendplattform mit neuen CPUs und neuem Sockel vorzustellen.

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Bastian Fröhlig von Gigabyte Deutschland stand uns für das Interview zur Verfügung

All diese Entwicklungen sind Grund genug, einmal direkt mit einem Vertreter eines Mainboardherstellers zu sprechen. Während einer Pressetour durch Deutschland stand uns hierfür freundlicherweise Bastian Fröhlig von Gigabyte Deutschland zur Verfügung, der für das technische Marketing zuständig ist. Im Gespräch stellte er das aktuelle Gigabyte-Portfolio näher vor und gab einige Einschätzungen der aktuellen Entwicklungen im Bereich der Mainboards ab. Zudem gibt es einen kleinen Ausblick auf kommenden Produkte und Features.

 

PCTreiber.Net (PCT) : Hallo Herr Fröhlig! Vielleicht wollen Sie sich unseren Lesern erst mal kurz vorstellen? Für welche Bereiche sind Sie bei Gigabyte zuständig?

Bastian Fröhlig (BF): Ich bin bei Gigabyte für das technische Marketing zuständig, das bedeutet, dass ich mich um die Pressearbeit, aber auch um die technische Dokumentation und die Webseite kümmere.

PCT: Beginnen wir mit den AMD-Produkten. Augenblicklich hat AMD zwei neue Sockel im Angebot – FM1 und AM3+. Entsprechend bietet Gigabyte eine Reihe an Platinen mit beiden Sockeln. Können Sie unseren Lesern kurz den grundlegenden Unterschied zwischen beiden Plattformen erklären und Ihre Produktgruppen in wenigen Sätzen vorstellen?

BF: Wir haben einmal die Mainboards der A75-Serie, das sind die Produkte für die Llano-Prozessoren, die hauptsächlich im Mainstream- und HTPC-Bereich benutzt werden und eine starke integrierte Grafik haben. Sie sind somit die ideale Plattform für einen Hometheater-PC, einen leistungsstarken Office Rechner oder für Gelegenheitsspieler.
Wenn wir zu der anderen Plattformen kommen (AMD 990/970 Serie), sind das die Mainboards für die AM3 und auch die neuen AM3+ Prozessoren, die auch unter dem Namen Bulldozer bekannt sind. Diese Plattformen sind bereits seit längerem auf dem Markt verfügbar und die Lösung für Nutzer, die die beste Leistung von AMD haben wollen.

PCT: Bei den FM1-Platinen fällt auf, dass zwar viele Platinen mit der Bezeichnung „A55“ im Angebot sind, diese aber alle auf den A75 Chipsatz setzen. Was ist der Grund hierfür?

BF: Ein großer Vorteil für den Nutzer. Wir wollten früh mit den A55-Platinen am Markt sein, aber AMD hat keine Chipsätze. Wir wollten einen Weg finden dies zu lösen. So haben wir A75 Chipsätze auf den Mainboards verbaut und die Funktionen des A75 (SATA3/USB3) deaktiviert. Nutzer bekommen so A75 zum A55-Preis. Bei den neueren Platinen ist inzwischen aber direkt der A55-Chipsatz verbaut.

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Gigabyte GA-A55-DS3P: In der Revision 1.0 mit A75 Chipsatz

PCT: Kann man die neuen A55 Boards, die nicht mehr auf den A75 Chipsatz setzen, an etwas erkennen?

BF: Die Modelle mit der Revisionsnummer 1.0 nutzen die A75-Chipsätze. Alle höheren Revisionsnummern wie 1.1 sind mit den A55-Chipsätzen ausgestattet.

 

PCT: Auch bei den AM3+ Platinen fallen einige „Kuriositäten“ auf. So gibt es hier Mainboards mit der alten nVidia GeForce 7025 /nForce 630a Chipsatzkombination. Sind solche Boards überhaupt noch gefragt und machen sie mit aktuellen CPUs noch Sinn? Wäre vor allem mit Blick auf die integrierte Grafik eine FM1-Lösung hier nicht die bessere Wahl?

BF: Die Rede ist hier wohl vom Mainboard GA-M68MT-D3P. Die aktuelle Revision 3.1 unterstützt die neuen Prozessoren ebenfalls. Wir hatten das Ziel, auch ältere Mainboards mit der Bulldozer-Unterstützung anzubieten, um gewisse Preispunkte zu treffen und zudem war Bulldozer ja schon etwas länger angekündigt. Viele Mainboards sind seit dem 2. Quartal im Handel und da tauchen somit sicherlich auch mal „Kuriositäten“ auf.

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Gigabyte GA-M68MT-D3P : AM3+ Mainboard mit GeForce 7025/nForce 630a Chipsatz

PCT: Vor wenigen Tagen hat AMD die Bulldozer Architektur vorgestellt. In diversen Tests und vor allem bei vielen Anwendern, in den gängigen Foren, ist der Eindruck weniger überzeugend. Dennoch sind einige Nutzer an den CPUs interessiert. Welche Gigabyte-Mainboards können mit den neuen CPUs umgehen?

BF: Jedes der neuen Mainboards der 990er- und 970er-Serie. Das High-End-Mainboard ist sicherlich das GA-990FXA-UD7 mit dem sogar schon die 8 GHz Marke mit einem Bulldozer-Prozessor geknackt wurde. Aber auch mit den 970er Boards ist es natürlich möglich, die CPUs zu nutzen. Auch zahlreiche Mainboards der 800er-Serie unterstützen die CPUs – wenn auch zum Teil eingeschränkt.. Auf der Gigabyte Webseite findet sich eine Microsite mit einer Liste, bei der Nutzer checken können, ob ihre Platine die CPUs unterstützen. Auf den neusten Platinen befindet sich zusätzlich das“ AM3+ CPU Ready“-Logo, das auf die direkte Unterstützung hinweist.

Hinweis der Redaktion: Details zu den erreichten 8GHz auf dem UD7 gibt es hier

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Gigabyte GA-990FX-UD7 – Highendmainboard für AM3+. Der schwarze Sockel weist darauf hin, dass es sich um einen AM3+ Modell handelt.

PCT: Sie erwähnten gerade, dass sich die CPUs nur eingeschränkt auf einigen Platinen nutzen lassen. Was genau ist der Unterschied zu den Platinen, bei denen eine volle Unterstützung gegeben ist?

BF: Die Unterschiede sind vor allem, dass man teilweise die Lüftersteuerung nicht komplett nutzen kann und das es auch Probleme beim Auslesen der Temperatur gibt, weil die CPUs für den neuen Sockel gebaut wurden und die alten Boards somit nicht alle Funktionen unterstützen. Wer alle Funktionen nutzen will, sollte sich Gedanken über ein neues Mainboard machen – oder dieses schon im Vorfeld erworben haben.

 

PCT: Gibt es Platinen, die bereits ab Werk (also mit dem Auslieferungsbios) mit dem Bulldozer umgehen können und sind diese eventuell gesondert gekennzeichnet?

BF: Jein. Die ersten Boards wurden ohne entsprechendes BIOS ausgeliefert, da wir ja bereits im April/Mai die ersten Produkte im Markt hatten. Ab Werk werden die neu produzierten Platinen aber mit dem neusten BIOS ausgeliefert. Es gibt aber kein direktes Erkennungsmerkmal für Platinen mit dem neuen BIOS. Die Boards werden also nicht durch eine neue Revision, die es nur bei Hardwareänderungen gibt, oder besondere Logos kenntlich gemacht.
Da es aber immer einigen Verzug bei der Auslieferung gibt sind die neu produzierten Platinen nicht unbedingt sofort im Handel verfügbar. Käufer sollten hier am besten direkt mit ihrem Fachhändler sprechen.
Wir weisen Händler immer darauf hin, nach Möglichkeit auf ein aktuelles BIOS zu achten.

Den schwarzen Peter schiebe ich an dieser Stelle gerne den Kollegen von AMD zu, denn unsere Mainboards waren bereits kurz nach der Cebit verfügbar. Doch leider haben die Bulldozer Prozessoren sehr, sehr lange auf sich warten lassen.

 

PCT: Wie sieht das mit dem Sockel AM3 aus? Einige Hersteller werben mit BIOS-Updates mit Bulldozer-Kompatibilität für die AM3-Boards. Wird es hier von Gigabyte auch so etwas geben?

BF: Wir haben ganz normal auch für die AM3-Boards entsprechende BIOS-Updates mit denen die neuen CPUs genutzt werden kann. Wir weisen aber – wie schon erwähnt – daraufhin, dass eventuell nicht alle Funktionen genutzt werden können. Wer wirklich sicher sein will, dass er alle Funktionen nutzen kann, sollte sich Gedanken über ein Board der 900er-Serie machen. Und da ist der schwarze Sockel den wir verbauen das beste Merkmal um zu sehen, ob der Sockel den Prozessor voll unterstützt.

 

PCT: Wo wir bereits beim Thema Kompatibilität sind. Können Sie Informationen geben, ob und wie die kommenden Trinity APUs auf den bisherigen FM1 Boards laufen werden?

BF: Bisher kann ich dazu leider noch nichts sagen. Sorry.

 

PCT: Ein A85FX-Chipsatz bei AMD für die APUs ist quasi bestätigt. Können Sie bereits einen Überblick über mögliche Lösungen geben?

BF: Ich war wohl zu lange „on Tour“. Habe ich bisher noch nichts von gesehen.

Hinweis der Redaktion: Einige Informationen zum A85FX Chipsatz gibt es hier.

 

PCT: Etwas anders sieht es ja beim Sockel AM3+ aus. AMD möchte an der Plattform mit den aktuellen Chipsätzen wohl noch bis zu dem Bulldozer-Nachfolger festhalten. Sind hier noch neue Boards geplant?

BF: Momentan decken wir alle Marktbereiche von High-End zu Mainstream bis zum Einsteigermainboard ab. Wenn neue Chipsätze von AMD vorhanden sind, wird es natürlich neue Produkte geben. Momentan sind wir mit dem Produktportfolio aber gut aufgestellt. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, andere sollten mal darüber nachdenken ob sie ihre gemacht haben.

 

PCT: Wie geht Gigabyte generell mit der eher enttäuschenden Vorstellung von Bulldozer um? Wurden hier womöglich bereits Pläne geändert, da viele Nutzer von dem neuen Produkt nicht überzeugt sind?

BF: Wir haben nicht erwartet, dass sich die Marktverhältnisse, was die Prozentverteilung zwischen AMD und Intel angeht, groß verschieben. Daher beeinflusst dies unsere Pläne nicht besonders. Wir hätten uns aber dennoch gewünscht, dass AMD ein zu Intel konkurrenzfähiges Produkt bekommt. Dadurch wäre der Markt sicherlich deutlich spannender geworden.

 

PCT: Bisher haben wir viel über die Highend- und Mainstreamplattformen bei AMD gesprochen. Dabei haben wir die kleinen APUs ganz vernachlässigt. Mit dem GA-E350N-USB3 gibt es genau ein E-350 Board. Da stell sich, gerade mit Blick auf den E-450 die Frage, ob hier noch Nachschub geplant ist.

BF: (grinst) Ja!

 

PCT: Wenn wir über diese Low-Power-Plattformen sprechen, kommen wir an einem Thema kaum vorbei – HTPCs. In letzter Zeit nimmt der Trend zum HTPC deutlich zu. Nutzer verlangen vermehrt nach Boards die in diesen Bereich passen. Auf der einen Seite sind Boards mit diversen Sockel (z.B. FM1 oder 1155) im Mini-ITX Format gefragt, auf der anderen Seite sind auch komplett passive Lösungen erwünscht. Was bietet Gigabyte hier und wie steht Gigabyte zu diesem Markt? Sind verstärkt Produkte für dieses Kundensegment mit speziellen Extras wie Fernbedienung, passiver Kühlung oder ähnliches geplant?

BF: Wir haben mit dem GA-H67N-USB3, GA-E350N-USB3 oder dem GA-H61N-USB3 einige Testprojekte in diesem Bereich laufen und haben festgestellt, dass es eine Nachfrage im Mini-ITX Bereich gibt. Da sind sowohl auf Intel- als auch auf AMD-Seite noch Neuigkeiten geplant.
Passive Kühllösungen sind immer etwas problematisch, da sie stark davon abhängig sind, welche Gehäuse genutzt werden und wie die Hardware eingebaut wird. Da haben wir gute Partner, die mit Gigabyte entsprechen Gehäuse entwickeln. Aber bei ganz passiven Lösungen sind wir etwas vorsichtig, da es bei falschen Gehäusen zu großen Schäden an der Hardware kommen kann.

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