Endlich Abwrackfähig? Transformers – War for Cybertron

Nach zwei schaurig-schlechten Filmlizenz-Gurken folgt das erste Spiel, dass nicht auf einer konkreten Vorlage beruht. Bekannte Charaktere wie Bumblebee, Optimus Prime und natürlich Megatron sind als spielbare Zugpferde im neuen 3rd-Person Shooter mit an Bord. Wird endlich alles gut?

Story?

Zeitlich ist das Spiel vor den Ereignissen des ersten Kinofilms angesiedelt: Die Transformer leben noch auf ihrem Heimatplaneten Cybertron, der komplett künstlich zu sein scheint.  Dort kämpfen  die zwei Fraktionen der Autobots und Decepticons gegeneinander.  Dabei tritt der Spieler zunächst als Bösewicht an um mit „dunklem Energon“ die Autobots zu unterwerfen.  Später erlebt man die gleichen Ereignisse noch einmal aus Autobot-Perspektive bis hin zur Evakuierung des Planeten und damit dem Beginn des ersten Films – Gottlob in unterschiedlichen Levels.  Nur gelegentlich betritt man noch einmal bekannte Areale, die allerdings spielerisch verändert wurden.  Warum überhaupt gekämpft wird wird nicht näher erläutert und ist auch eigentlich nicht wichtig: Erster großer Kritikpunkt. Obwohl durch das unverbrauchte Setting ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten bestanden hätten – Konjunktiv – , werden keine genutzt. Gezeigt wird ein stumpfes „gut gegen böse“ Szenario, das mittlerweile maximal abgestanden ist. Das Spiel bleibt auch eine Erklärung für „dunkles Energon“ schuldig. Zuerst ist es eine instabile Energiequelle, später ein korrumpierendes Element, ähnlich wie in Star Wars die „dunkle Seite“. Dass das Energon die Transformer antreibt, spart man sich zu erwähnen. Ohne Filmkenntnisse reduziert sich damit der Gehalt des Spiels weiter.

Megatron, Megatron, Megatron

Kaum besser sind die Charaktere: Megatron ist ein Verschnitt diverser Schurkenklischees und ebenso grausam wie seine Dialogzeilen vorhersehbar sind. Stichwort Dialogzeilen: Wird das Wort an den Decepticon-Chef gerichtet, beginnt jede Zeile und jeder Satz mit „Megatron“. Auch, wenn sie aufeinander folgen, sogar wenn sie vom selben Gesprächspartner kommen.  Abgesehen davon betont der Obermotz in jeder zweiten Äußerung, dass das dunkle Energon entweder ihm gehören wird oder er damit Cybertron erobern möchte. Vom Nervfaktor erreicht das Spiel hier tatsächlich das Niveau einer Dauerwerbesendung. Ebenso wie die Missionsanweisungen: So oft, wie man Anweisungen bekommt, direkt vor der Figur liegende Hebel, die zudem noch im HUD fett markiert sind, zu betätigen, könne man meinen, dass die eigentliche Zielgruppe postlobotomisch sein muss.

Optimimus Prime dient als exaktes Gegenstück, gezeichnet  wie ein typisch amerikanischer Held, natürlich vor Kitsch triefend. Die Nebencharaktere bleiben noch viel blasser und falllen anfangs nur durch „coole“ Sprüche auf. Mit zunehmender Spieldauer werden Dialoge und Zwischensequenzen aber deutlich besser. Das gilt auch für die Levels, man gewinnt hier den Eindruck, dass am Ende mit mehr Mut viel kreativer gestaltet wurde. Auch die zu Beginn langweiligen Zwischen- und Bossgegner werden im späteren Spielverlauf deutlich spektakulärer, prägen sich somit dem Spieler markant ein.

Serious Transformer – Gameplay

Das Gameplay ist „erfrischend“ klassisch. Vermochten die Vorgänger noch mit einer voll belegten Tastatur (und 5 Tasten-Kombos) in den Wahnsinn zu treiben, ist im neuesten Teil wieder alles auf normalem Shooter-Niveau. Neue Elemente sind keine vorhanden, die Spielmechanik ist uralt und simpel: Tür auf, umlegen was sich bewegt, unter Umständen Gegnerwellen abwarten, Schalter betätigen, nächster Raum. Übrigens gibt es nur ein Schaltermodel im ganzen Spiel, betätigt wird immer der selbe. Schlamperei Das gilt auch für das Aussehen der Gegner, Decepticons und Autobots laufen vom selben Band und werden nur in anderer Farbe ausgeliefert. Gelegentlich gibts ein paar Fahr- oder Flugeinlagen, denn Transformers können sich natürlich in Autos oder Flugzeuge verwandeln. Ansonsten ist die Verwandlungsfähigkeit eher nutzlos, aber schön anzusehen. Wie im Film hat jeder Transformer eine eigene, futuristische Alternativform. Gegner wandeln sich eher selten. Schade, denn davon hätte man gerne mehr gesehen, gerne auch spektakulär wie in den Filmen. Welchen von drei vorgegebenen Charakteren man spielt, darf man sich vor jeder Mission aussuchen. Die Unterschiede sind spielerisch minimal, nur den „Medic“ sollte man meiden. Der kann seine Reparaturknarre nicht ablegen, aber auch nicht einsetzen: Die KI-Begleiter sind im Einzelspieler eh unverwundbar und Selbstheilung ist nicht möglich. Gespeichert wird wie auf der Konsole an fest-, aber fair gelegten Punkten.

BangBoomBang

Den Gegnern rückt man im Dreierteam mit einer Vielzahl klassischer Waffen zu Leibe: Schrotflinten, Sturmgewehre, Raktenwerfer usw. Futuristische Waffen gibts keine, maximal 2 davon darf man tragen. Nur Optimus Prime und Megatron können nur eine Waffen aufnehmen, eine ist bei ihnen festgelegt. Das beeinflusst direkt den Schwierigkeitsgrad, denn auch wenn die Chefwaffen nach Bums aussehen, besitzen sie nur geringe Schlagkraft. Jeder Roboter verfügt zudem über eine Spezialattacke, durch gesammeltes Energon verfügbar,  sowie einen Nahkampfangriff. Nützlich ist nur letzteres gelegentlich, die Fertigkeiten sind völlig deplaziert weil zu schwach und im Prinzip ständig einzusetzen, weil genug Energie dafür vorhanden ist.

Ansonsten ist zumindest im SinglePlayer die Abstufung der Schwierigkeitsgrade frustrierend. Bietet „leicht“ keine Herausforderung, selbst für unerfahrene Spieler, ist „mittel“ allenfalls stellenweise fordernd. „Schwer“ hingegen ist unlösbar, vor allem da die KI-Begleiter vorhandene Spezialfähigkeiten wie Heilen quasi nie einsetzen und Gegnern kaum Schaden zufügen. Alleine steht man daher chancenlos auf dem Feld.

Fazit

Im Singleplayer für Fans auf jeden Fall einen Blick wert. Da der Fokus aber vor allem auf dem Multiplayer und dem kooperativen Spiel der Kampagne liegt, sollte man ein paar Freunde einladen. Dann macht „War for Cybetron“ sicher Spaß, Konsolenportierung und den Designfehlern zum Trotz, denn die Lizenzverwurstung präsentiert sich im Kern erstaunlich solide. Da Koop-Spiele auf dem PC relativ selten geworden sind, sollten auch nicht Fans einen Blick auf das Spiel werfen, für eine kurzweilige Runde „zwischendurch“ ist es wie Serious Sam geeignet, nur ohne den schrägen Humor.

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