nVidia und das Chipsatzgeschäft

Genaue Gründe oder offizielle Statements der Mainboardhersteller gibt es allerdings (noch) nicht. Die Gerüchteküche sieht die Probleme offenbar vor allem bei den Chips selber. Dem nForce 790i werden bereits seit längerem Probleme mit Datenkorruption nachgesagt. Zudem kämpft nVidia mit Problemen bei einigen GPUs und MCPs, die bei starken Temperaturschwankungen sehr schnell ableben. Offiziell sollen die Probleme nVidia 150 bis 200 Millionen Dollar gekostet haben. Nicht auszuschließen ist natürlich, dass doch mehr Chipsätze als bisher angenommen davon betroffen sind, was das verschwinden der nForce 7x0i Platinen erklären könnte. Hier bleiben aber erste offizielle Statements abzuwarten.

Während die Meldung vom Inquirer in der IT News Welt und in vielen Foren bereits die Runde machte, tauchte eine weitere Meldung vom Branchendienst Digitimes auf, die förmlich wie eine Bombe einschlug und zu der Meldung vom Inquuirer passte. Wie Digitimes von einem Mainboardhersteller erfahren haben möchte, soll nVidia den Ausstieg aus dem Chipsatzgeschäft verkündet haben.

Wenige Stunden später kam das offizielle Dementi von nVidia zum angeblichen Ausstieg aus dem Chipsatzgeschäft. nVidia plant demnach in der Zukunft weitere interessante MCP Produkte für AMD und Intel CPUs auf den Markt zu bringen. So zitiert Dailytech Brian Burke von nVidia:

Zitat:
– Mercury Research has reported that the NVIDIA market share of AMD platforms in Q2 08 was 60%. We have been steady in this range for over two years.
– SLI is still the preferred multi-GPU platform thanks to its stellar scaling, game compatibility and driver stability.
– nForce 790i SLI is the recommended choice by editors worldwide due to its compelling combination of memory performance, overclocking, and support for SLI.

Das nVidia entsprechende Gerüchte erstmal dementiert überrascht kaum. Aber wie realistisch sind diese Gerüchte, abseits von dem offiziellen Dementi?

Im Bereich der Intel Mainboard scheint dieser Ausstieg noch nicht einmal so unrealistisch. nVidia plant mit dem MCP7A hier zwar noch einen IGP Chipsatz für aktuelle Intel CPUs. Dieser wurde aber schon mehrmals verschoben und wird nur noch für den Einsteiger/Mainstreambereich interessant sein. Der Grund? Intels neue Highend Architektur, der Nehalem.
Mit dem Nehalem wird es nicht nur einen neuen Sockel geben, auch der FSB wird endgültig wegfallen. Beim Bloomfield (Nehalem Highendpart für Desktop CPUs), der bereits in kürze erwartet wird, findet die Kommunikation zwischen Chipsatz und CPU über den QPI-Bus statt. Gleichzeitig wird der Speichercontroller, wie bei AMD, in die CPU wandern. Das bedeutet, dass uns im Intelchipsatzbereich ähnliches wie bei den AMD Chipsätzen erwartet. In Sachen CPU/Speicherperformance gibt es hier keine Unterschiede mehr. Hauptaugenmerk liegt auf dem Featureset und dem Peripherbereich.
Das größte Problem ist für nVidia allerdings wohl kaum ein entsprechender Chipsatz für Bloomfield CPUs herzustellen sondern vielmehr die QPI-Lizenz, die sehr kostspielig. Zudem ist bis heute nicht offiziell klar, ob nVidia eine entsprechende Lizenz überhaupt besitzt. Klar ist nur – ohne Lizenz kann ein Hersteller keine Chipsätze für Bloomfield CPUs herstellen. Bei den AMD CPUs sieht die Sache übrigens etwas anders aus. Der HT-Bus, den AMD nutzt, ist ein offener Industriestandard, für den keine Lizenzgebühren fällig werden.

nVidia hat aber offenbar bereits einen Weg aus der Misere gefunden und vor einiger Zeit angekündigt, dass SLI auf der Bloomfieldplattform über spezielle X58 Mainboards realisiert wird, die neben dem X58 mit einen nForce 200 bestückt sind.

Das nVidia SLI über den Umweg nForce 200 auch auf Intel Platinen anbietet, kann durchaus darauf hindeuten, dass nVidia für den Bloomfield (vorerst) keine Chipsätze plant. Doch mit den Mainstreamablegern Lynnfield und Havendale wird die Luft für nVida noch enger. Hier wird sowohl der PCIe Controller als auch ein Grafikkern (nur Havendale) in die CPU integriert werden. Der Chipsatz wird nur noch für die Peripherieanbindung benötigt. Hier hat Intel mit dem DMI Bus und "Ibex Peak" bereits eine entsprechende Plattform in der Planung. Das nVidia hier entsprechende Chipsätze herstellen wird/darf ist doch mehr als fraglich.

All diese Punkte sprechen durchaus dafür, dass nVidia zumindest im Intel Bereich in der Zukunft auf eigene Chipsätze verzichten könnte. Denkbar ist aber, dass man nur noch spezielle SLI Chips (wie beim Beispiel nForce 200 und X58) anbietet, die quasi nur als "SLI Enabler" auf entsprechenden Mainboards fungieren. So würde nVidia mit wenig Aufwand noch immer an entsprechenden Platinen mitverdienen. Ob die Mainboardhersteller solch ein Vorgehen aber mitmachen, wird wohl der Intel X58 Chipsatz zeigen.

Doch wie schaut es in der Zukunft mit dem Chipsatzgeschäft für AMD CPUs aus? Hier kann sich nVidia einen Rückzug aus dem Chipsatzgeschäft kaum erlauben. Auch AMD plant zwar eine CPU mit integrierter GPU, die IGP Chipsätze aber auch Einsteigergrafikkarten möglicherweise unnötig macht, nVidia muss hier aber eigentlich eigene Chipsätze anbieten um die SLI Plattform am Leben zu erhalten. Da AMD aktuell, neben nVidia, der einzige Hersteller von Chipsätzen für die AMD Plattformen (SIS kann hier momentan außen vor gelassen werden) ist und beide gleichzeitig Konkurrent auf dem Grafikkarten/Multi GPU Markt sind, erscheint es doch sehr unrealistisch das AMD/ nVidia SLI auf AMD Chipsätzen erlauben werden. nVidia ist daher fasst gezwungen, weiterhin eigenen SLI Chipsätze für AMD CPUs anzubieten. Vorausgesetzt natürlich, am Multi GPU Markt wird es keine weit reichenden Änderungen geben (offener Multi GPU Standard?)

Aber all dies sind momentan nur Spekulationen. Klar ist momentan nur, dass es Gerüchte gibt wonach nVidia das Chipsatzgeschäft aufgeben möchte, nVidia diese Gerüchte aber vorerst dementiert hat. Unabhängig von den Gerüchten ist aber auch klar, dass nVidia sich in der Zukunft neu positionieren muss. Mit den integrierten GPUs in den CPUs könnte der Einsteigergrafikkartenmarkt weg brechen und im Bereich der Intel CPUs wird es bei den Chipsätzen weit reichende Änderungen geben. Aber auch im Bereich der AMD Chipsätze könnte es für nVidia schwieriger werden, da die Kombination AMD Chipsatz + AMD CPU sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Dennoch bleibt zu hoffen, dass nVidia auch weiterhin Chipsätze anbieten wird. Eine quasi Monopolisierung des Chipsatzgeschäft (Intel für Intel, AMD für AMD) könnte für den Kunden weniger Innovation und höhere Preise bedeuten.

Bereits am Montag hoffen wir aber auf erste Neuigkeiten, direkt von einigen Mainbordherstellern. Hoffentlich gibt es dann erste Antworten und nicht noch mehr Fragen.

Update

Von Foxconn haben wir ein erstes Statement zum Thema 790i Mainboards bekommen. So teilte man uns per E-Mail folgendes mit:

Zitat:
Wir haben uns entschieden, das Dreadnaught nicht auf den Markt zu bringen, weil wir nicht die Leistung erreichen konnten, die wir erreichen wollten.

Spezielle Probleme mit dem Chipsatz oder die Gerüchte über den Rückzug von nVidia sollen offenbar nicht der Grund sein.

Quelle: Verschiedene
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