Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

Wenn die IGP auf eine dedizierte Grafikkarte trifft

Nachdem wir uns mit dem ASRock A780FullDisplayPort vor kurzem ein erstes AMD 780G/ATI SB700 mATX Mainboard angesehen haben, möchten wir uns nun, wie angekündigt, mit einem weiterem Feature des AMD 780G auseinander setzen – der ATI Hybrid Graphics Technologie.

ATI Hybrid Graphics ist ein Sammelbegriff für mehrere Features, am bekanntesten ist vermutlich Hybrid CrossFire(X), das seit dem Catalyst 8.3 Treiber endlich nutzbar ist. Hybrid CrossFire ermöglicht es, die Performance der integrierten Grafikeinheit des AMD 780G mit der einer dedizierten Grafikkarte zu bündeln.

Doch neben Hybrid CrossFire bietet die ATI Hybrid Graphics Technologie noch einige Features mehr, wie beispielsweiße ATI Sourround View, das einen Multimonitorbetrieb erlaubt.

Im Folgenden möchten wir auf den Funktionsumfang von Hybrid Graphics und natürlich insbesondere auf die Hybrid CrossFire Performance näher eingehen – ob die Mischung aus integrierter und dedizierter Grafik etwas taugt?

Welche Features bietet Hybrid Graphics?

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, umfasst Hybrid Graphics gleich mehrere Features. Im Detail sind dies:

  • Hybrid CrossFire(X)

Hybrid CrossFire(X) ermöglicht es, eine dedizierte Grafikkarte mit der integrierten Grafikkarte in einem CrossFire Verbund zu betreiben. Hierdurch soll (in der Theorie) die Performance entsprechend gesteigert werden. Ähnlich wie bei nVidias Hybrid SLI Technologie gibt es aber auch hier einige Einschränkungen. Die erste Einschränkung ist das Betriebssystem: Hybrid CrossFire lässt sich aktuell nur unter Windows Vista nutzen. Die zweite Einschränkung sind die diskreten Grafikkarten mit denen Hybrid CrossFire funktioniert. Die Leistung des AMD 780G lässt sich nur mit AMD Grafikkarten aus der Radeon HD 2400 und HD 3400 Serie (Hd 2400Pro, HD 2400XT, HD 3450 und HD 3470) bündeln.

Wieso ist das so? Die Antwort hierfür ist recht einfach. Wie Hybrid SLI nutzt auf Hybrid CrossFire die AFR-Rendering Methode (Alternate Frame Rendering). Bei dieser Methode berechnet jede GPU abwechselnd ein Bild. Würde man hier eine schnelle Grafikkarte des Typs HD 3800 mit der HD 3200 des AMD 780G kombinieren, würde dies zu deutlichen Verzögerungen beim Bildaufbau führen, da die HD 3800 schlicht zu schnell für die HD 3200 ist.

hybrid Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

  • SurroundView

SurroundView ermöglicht es, die integrierte Grafikeinheit mit einer dedizierten Karte von AMD gleichzeitig zu betreiben. Hierdurch lassen sich sehr einfache und kostengünstige Multi Monitorsysteme erstellen, da jede Grafikkarte in der Lage ist zwei Monitore anzusteuern.

  • PowerXpress

Hinter PowerXpress versteckt sich im Prinzip das, was nVidia als Hybrid Power verkauft – das abschalten einer dedizierten Grafikkarte während des Betriebs. Das größte Problem: AMD bietet diese Technologie aktuell nicht für den Desktopmarkt an! PowerXpress ist aktuell nur auf Windows Vista Notebooks mit einer Radeon HD 3400 Mobility Karte und zusätzlicher IGP nutzbar. Aktuell ist es also nicht möglich, eine dedizierte AMD Karte (bspw. HD 3870 etc.) im Idlebetrieb zu deaktivieren

Wie Hybrid CrossFire aktivieren?

Hybrid CrossFire zu aktivieren ist nicht sonderlich schwer. Im Bios muss lediglich die Surroundview -Option aktiviert werden (zumindest bei dem von uns verwendetem A780FullDisplayPort war es so – je nach Board kann dies variieren). Durch das aktivieren der Surroundviewoption wird die IGP Einheit nicht deaktiviert, im Catalyst Control Center muss dann lediglich CrossFire aktiviert werden. Nach einigen Sekunden läuft das Board dann im Hybrid CrossFire Modus. Dabei ist es egal, ob der Monitor an der IGP-Einheit oder der dedizierten Grafikkarte angeschlossen ist. Wir empfehlen allerdings den Anschluss an der dedizierten Karte, da diese als „First Device“ erkannt wird – der Biosbildschirm sowie der Winowsbootscreen werden auf diesem ausgegeben.

aktivieren Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

Testsystem

Verwendete Grafikkarte:

    • ASUS AMD ATI Radeon HD 3870 512MB (Referenzdesign)
    • Gigabyte GeForce 9600 GT Turbo Force (werkseitig übertaktete auf: 720/1800/1000 MHz)
    • Sapphire Radeon HD 3450 256 MB (Referenzdesign)

Verwendete Treiber

  • Windows Vista 64 Bit SP1
  • AMD Catalyst 8.4 (Default Einstellungen)
  • nVidia GeForce 174. 74 WHQL

Hinweis zu den Benchmarks: Wie ihr bereits oben erkennen könnt, haben wir auch eine Gigabyte GeForce 9600 GT und eine HD 3870 mit getestet. Uns ist klar, dass man Karten der Lowendklasse nicht mit solchen des Performancesegments vergleichen kann. Dennoch haben wir uns dafür entschieden, zumindest die Benchmarks in 1280×1024 und High Details, noch zusätzlich auf den beiden genannten Karten zu machen. Diese Werte sollen lediglich als grober Indiz für die Performance der Lowendlösungen darstellen.

Futuremark 3DMark 06

    • Hersteller: Futuremark
    • Herstellerseite
    • Typ: Synthetischer 3D Benchmark
    • Beschreibung: Einfacher Durchlauf mit den Standardeinstellungen

 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

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 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

Call of Duty 4

    • Hersteller: Infinity Ward
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Gebencht wurde mittels FRAPS eine 10 sekündige Szene direkt zum Beginn der Demoversion. Die Angaben entsprechen dem Mittelwert aus 5 Messungen.

 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

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Call of Juarez

    • Hersteller: Techland
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Gebencht wurde mittels FRAPS eine 10 sekündige Szene der Demoversion. Die Angaben entsprechen dem Mittelwert aus 5 Messungen.

 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

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Colin McRae Dirt

    • Hersteller: Codemasters
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Gebencht wurde mittels FRAPS eine 10 sekündige Startszene der Demoversion auf dem Avelsbachring. Die angegeben Werte entsprechen den Durchschnittswerten aus 5 Messungen.

 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

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Company of Heroes – Opposing Fronts

    • Hersteller: THQ
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Gebencht wurde mittels FRAPS eine 10 sekündige Spielszene Demoversion. Die angegeben Werte entsprechen den Durchschnittswerten aus 5 Messungen.

coh Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

coh2 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

Enemy Territory: Quake Wars

    • Hersteller: Id Software
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Für die Benchmarks wurde eine eigens erstellte Timgedemo genutzt, die mittels der integrierten Benchfunktion gebenchmarkt wurde.

 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

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Fear – Perseus Mandate

    • Hersteller: Monolith
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Gebencht wurde mittels FRAPS eine 10 sekündige Spieleszene der Demoversion. Die angegeben Werte entsprechen den Durchschnittswerten aus 5 Messungen.

fear Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

Gothic 3

    • Hersteller: JoWood
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Gebencht wurde mittels FRAPS eine 10 sekundige Spielszene. Das Ergebniss entspricht dem Durchschnittswert aus 5 Messungen.

g3 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

g32 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

Need for Speed – Pro Street

    • Hersteller: EA Games
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Gebencht wurde mittels FRAPS eine 10 sekündige Spieleszene der Demoversion. Die angegeben Werte entsprechen den Durchschnittswerten aus 5 Messungen.

nfs1 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

nfs2 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

World in Conflict

    • Hersteller: Massiv Entertainment
    • Herstellerseite
    • Typ: Game
    • Beschreibung: Gebencht wurde mittels der integrierten Benchmarkfunktion der Demoversion.

 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

 Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

Leistungsaufnahme

li Kurztest: AMD ATI Hybrid Graphics

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Bei der Leistungsaufnahme im Idle Modus zeigt sich eine große Schwäche des Hybridcrossfireverbundes – mit 2 aktiven GPUs liegt man in Sachen Leistungsaufnahme fast auf dem Niveau einer HD 3870. Unter Volllast zeigt sich dann aber recht deutlich, woher die Mehrperformance einer HD 3870 oder 9600 GT auch kommt – die Leistungsaufnahme der HD 3450 und HD 3200 sowie dem Hybrid CrossFireverbund liegen doch deutlich unter dem Niveau der Performancekarten.

Ein ganz wichtiger Hinweis zu unseren Messwerten der Leistungsaufnahme. Es sich hierbei um die Ergebnisse des gesamten Systems (ohne Monitor). Die Werte werden durch einen Voltcraft Energy Check 3000 ermittelt. Mit diesen Messwerten ist es unmöglich genaue Unterschiede in der Leistungsaufnahme der verschiedenen Grafikkarten auszumachen, sie dienen lediglich als grobe Richtwerte. Der Grund hierfür ist, dass auch viele andere Faktoren wie beispielsweise das Wirkungsgrad des Netzteiles oder unterschiedliche CPU-Last durch Treiber die Ergebnisse stark nach oben oder unten verfälschen können. Es ist also unmöglich anhand dieser Messwerte zu sagen, wie viel Watt genau nur die bestimmte Grafikkarte verbraucht.

Fazit

Um es auf den Punkt zu bringen. Überzeugen kann AMDs Hybrid Graphics Technologie aktuell noch nicht. Hybrid CrossFire kann in einige Anwendungen zwar die Performance deutlich steigern, in vielen anderen Anwendungen wird die Performance aber kaum gesteigert, teilweiße fällt die Performance eines Hybrid CrossFire Gespanns sogar hinter die Performance der HD 3200 zurück. In Collin McRae Dirt bei maximalen Details wurden wir sogar mit einem reproduzierbaren Absturz belohnt. Für 1280×1024 reicht Hybrid CrossFire bei aktuellen Spielen kaum, das überrascht aber auch nicht -Hybrid CrossFire ist für den Lowbudget Sektor gedacht und entsprechende Performance ist zu erwarten. Besser sieht es hier auf 1024×768 mit mittleren Details aus, sofern Hybrid Crossire die Spiele beschleunigt. Hier schaffte Hybrid CrossFire es teilweiße wirklich spielbare Bildwiederholraten auf den Bildschrim zu zaubern – zumindest in der Theorie.

Inder Praxis müssen die Benchmarergebnisse mit besonders großer Vorsicht genossen werden! Die Ergebnisse (bspw. Call of Duty 4) sehen zwar spielbar aus, in Wirklichkeit waren sie es aber nicht. Vor allem Call of Duty 4, Collin McRae Dirt und Call of Juarez litten unter massiven Rucklern. Der ein oder andere mag hier an Microruckler (mehr dazu im entsprechenden Thread bei 3DC) denken, doch Microruckler passt dazu kaum mehr. Makroruckler trifft es fast besser. In Call of Juarez endet dies bspw.. darin, dass die FPS-Anzeige lustig zwischen zwei komplett unterschiedlichen Werten (~ 19/~13 FPS) hin und her sprang – entsprechend unspielbar war das Resultat.

Hier muss AMD offenbar noch viel Arbeit in die Treiber stecken, im 3D Mark 06 schneidet Hybrid CrossFire bereits recht ordentlich ab, aber wem nutzen die besten Ergebnisse in synthetischen Benchmarks wenn die Unterstützung/Performance in Spielen nicht stimmt?

Etwas besser sieht es mit dem Surroundview Feature von Hybrid Graphics aus, wirklich bahnbrechend ist das Feature sicherlich nicht, aber es erlaubt doch einfache und kostengünstige Multimonitorsysteme für den 2D Betrieb.

Woran es AMD im Desktopbereich allerdings noch mangelt, ist ein Feature das man im Notebookbereich aktuell als PowerXpress verkauft, also eine Möglichkeit die dedizierte Grafikkarte im Idle Modus ganz zu deaktivieren. Sicherlich verfügen die AMD Karten bereits über einen recht ordentlichen 2D Modus, aber unsere Messungen zeigen auch, dass es hier noch durchaus Einsparpotential gibt. Ob und wann es ein entsprechendes Feature bei AMD geben wird, bleibt abzuwarten. Konkurrent nVidia bietet mit Hybrid Power seit kurzem, zumindest für die Highendkarten, ein entsprechendes Feature.

Festzuhalten bleibt, Hybrid CrossFire ist aktuell nicht zu empfehlen. Die Performancegewinne sind stark von der Anwendung abhängig, einige Spiele können zwar an messbarerer Performance zulegen, sind aufgrund von massiven Zwischenrucklern aber unspielbar. Hier muss man bei AMD offenbar noch viel Arbeit in die Treiberentwicklung stecken, damit Hybrid CrossFire wirklich eine interessante Aufrüstoption wird. Auch der Idle Stromverbrauch eines Hybrid CrossFire Systems kann aktuell noch nicht überzeugen. Generell fehlt es AMD an einer Möglichkeit die dedizierte Grafikkarte zu deaktivieren. Dazu kommt ein weitere Manko, das es auch bei Hybrid SLI gibt – das Betriebssystem. Beide Technologien sind nur unter Windows Vista nutzbar. Falls AMD hier aber noch nachlegt, könnte die Option in der Zukunft durchaus interessant werden.

Einige Worte möchten wir aber noch über die generelle Performance des AMD 780G bzw. der integrierten HD 3200 Grafikeinheit verlieren. Wir unsere Benchmarks gezeigt haben, kann die HD 3200 in viele Fällen durchaus mit der dedizierten HD 3450 mithalten. Insgesamt ist sie zwar etwas langsamer, für eine integrierte Grafikeinheit schlägt die HD 3200 sich aber beachtlich!

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